Vom byzantinischen Kaiser Justinian I. erhielten sie um
550 u.Z. das Recht, sich südlich der Donau anzusiedeln, wobei sich
nacheinander verschiedene bulgarische Staaten entwickelten, die als
dritte Kraft in Europa durchaus mit dem
fränkischen Reich im Westen und dem byzantinischen Reich im Osten
konkurrieren konnten. Einer der Bulgaren-Khane - Tervel Khan - wurde
sogar, nachdem er den Siegeszug der nach Westen drängenden
arabisch-islamischen Heere aufgehalten hatte, vom byzantinischen
Herrscher Justinian II. im Jahr 705 u.Z. aus Dankbarkeit zum Kaiser von
Byzanz gekrönt. Ein beispielloser Akt in der europäischen
Geschichte. Im neunten Jahrhundert nahmen die Bulgaren
unter dem Einfluß der so genannten "Slawenapostel" St.Cyrill und
St.Methodius das Christentum an, das sich von hier aus im östlichen slawischen und im griechischen Raum zum orthodoxen
Christentum mit dem östlichen Ritus entwickelte. Die Reiche der
Bulgaren in verschiedener Ausdehnung mit mehr oder weniger starkem
Einfluß auf ihre Nachbarn, stabilisierten die Verhältnisse auf dem
Balkan bis hin zu den Ländern um Wien, indem sie die nomadisierenden
Reiterstämme der Awaren und der diesen folgenden Ungarn so
beeinflußten, daß sich im Westen die Grundlagen des ungarischen
Königreichs bilden konnten. Die endgültige Unabhängikeit erreichte
Bulgarien aber erst im 12. Jahrhundert unter den Asseniden.
In der Mitte des 13. Jahrhunderts (1241) eroberten und verwüsteten die
Mongolen die Länder bis nach Schlesien, zogen jedoch bald wieder ab. Das
Land konnte sich aber kaum erholen, denn schon im
14.Jahrhundert eroberten die Türken von Osten kommend die gesamte
Balkanhalbinsel und blieben in den meisten dieser Länder - auch in
Bulgarien - bis fast zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das führte
dazu, daß die traditionelle bulgarische und auch christliche Kultur
trotz einer gewissen Autonomie des Landes weitgehend zerfiel. Erst zum
Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Rückbesinnung und aus ihr
entstand eine Unabhängigkeitsbewegung. Diese wurde vom russischen Zaren
als dem Erzfeind der Türken tatkräftig unterstützt. Bulgarien wurde
1878 wieder unabhängig und holte sich 1887 den deutschen Fürsten
Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha als Prinzen ins Land. Dieser rief
sich 1908 zum Zaren von Bulgarien aus.
Während des ersten Weltkrieges wurde Bulgarien besiegt und verlor bei
den Friedensverhandlungen größere Gebiete, z.B. die Dobrudja im Osten,
deren nördlicher Teil bis zum Donaudelta an Rumänien fiel. Nach einigen
unruhigen Zeiten bis zum zweiten Weltkrieg, hatte es sich mit
Deutschland verbündet. 1944 wurde es daraufhin von der Sowjet-Armee besetzt und dem Ostblock (COMECON)
eingegliedert, mit der Folge einer völlig
umgestalteten Wirtschaft des Landes.
1989 konnte sich Bulgarien nach dem Zerfall des Sowjet-Blocks wieder
als unabhängiger Staat etablieren, was aber aufgrund der nur zögernd
umgesetzten Reformen erst seit 2001 zu greifen begann. Der in diesem Jahr
wieder ins Land geholte Thronerbe Simeon II. von
Sachsen-Coburg-Gotha wurde zum Premierminister gewählt und erst unter
dieser Ägide konnte langsam eine Wende zum Aufschwung in Gang kommen.
In diesem Zusammenhang konnte auch die Anwartschaft auf den EU-Beitritt
erreicht werden. Vermutlich im Jahr 2007 wird Bulgarien zusammen mit
Rumänien diesen Schritt machen können.
Bulgarien ist eine Republik mit Präsidial-Demokratie und
einem Einkammer-Parlament. Der Präsident ist auf 5 Jahre gewählt. Die Hauptstadt des Landes ist Sofia. Es
hat derzeit etwa 8,3 Millionen Einwohner, wovon ca. 85 % Bulgaren, 10 %
Türken und 5 % sonstige Nationalitäten sind, vor allem Roma. Die
Staatsfläche beträgt 110.912 qkm. Die Einwohnerzahl pro qkm liegt bei
76,4.
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